Projekt: Afar in Äthiopien

Afar-Nomadenkinder in der Danakil-Wüste in Äthiopien

Seit 2001 fördert das Forum Kinder in Not e.V. Neustetten die Schulbildung für Nomadenkinder in der heißesten bewohnten Region der Erde. Ziel ist es, der Bevölkerung eine Lebensperspektive zu geben und insbesondere den Gesundheits­zustand der Kinder deutlich zu verbessern.

Schulen für Nomadenkinder

Im Jahr 2014 besteht unsere Partnerorganisation APDA 20 Jahre! Viele Jahre davon haben wir gemeinsam an unseren großen Zielen gearbeitet, die Schulbildung in abgelegenen Gebieten zu ermöglichen und eine bessere Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder zu ermöglichen. Wenn sich auch in dieser Zeit durch Klimawandel, Ressourcenknappheit, Landnahme (land grabbing) und die politische Situation manches verschlechtert hat, so haben wir unser Ziel, den Kindern in abgelegenen Regionen Schulbildung zu ermöglichen, erreicht:
639 Schüler/innen wurden im Schuljahr 2012/13 in den vom Forum Kinder in Not geförderten Schulen unterrichtet, viele hundert Kinder haben seit dem Jahr 2001 eine Grundschul­ausbildung erhalten.

Weiterhin ist das Leben der Nomaden von Dürre und Hunger geprägt. Hohe Preise für Grundnahrungsmittel und die Verbreitung von Krankheiten erschweren den Alltag in der Danakil­wüste zusätzlich. Das Forum Kinder in Not verfolgt das Ziel, die Kinder so zu fördern, dass sie in eine Zukunft mit weniger Not, einem besseren Einkommen und einer angemessenen Gesundheitsversorgung blicken können.

Im vergangenen Jahr gab es durch die Einführung von Solarlampen einen großen Fortschritt in vielen Schulen, denn nun kann auch nach Einbruch der Dunkelheit unterrichtet werden. Einen weiteren großen Erfolg haben wir mit der Alphabetisierung zu verbuchen, denn seit dem 8. Juli 2013 ist in allen Büros der Provinzverwaltung Afar die offizielle Sprache der Verständigung.

Gesundheitsfür- und vorsorge

Dort, wo Abgeschiedenheit und Hitze von über 50 Grad Celsius bis dahin nahezu allen Menschen den Zugang zu formeller Bildung verwehrt hat, setzt sich seit über 15 Jahren unsere Partnerin, die Krankenschwester und Hebamme Valerie Browning, für die Menschen ein. Sie hat klar erkannt, dass wir bei der Bildung ansetzen müssen, wenn wir den extrem schlechten Gesundheits­zustand dieser Wanderhirten (Afar) verbessern wollen.

Viele Ursachen von Krankheiten und Präventionsmöglichkeiten waren den Afar-Familien noch vor einigen Jahren völlig unbekannt. 1999 ergab eine Erhebung, dass über 30 Prozent der Kinder unter 5 Jahren sterben. Ursachen dafür waren neben mangelnder Hygiene, Unterernährung und Infektionskrankheiten, die mangelnde Gesundheits­versorgung in dieser abgelegenen Region.

Schulbildung als Prävention

Um dem Abhilfe zu schaffen, mussten Menschen aus den eigenen Reihen ausgebildet werden, um Gesundheits­dienste zu übernehmen. Denn das Erreichen der wenigen staatlichen Gesundheits­dienste in dem riesigen Gebiet der Danakilwüste erfordert oft tagelange Fußmärsche. Ein Todesurteil vor allem für Schwangere und kleine Kinder! So begann man in zunächst mit der Schulbildung, die Erwachsene zum Lesen und Schreiben befähigte, um sie zu Lehrern oder Gesundheits­helfern auszubilden. Darauf erfolgte die formelle Schulbildung für Kinder, um ihnen frühzeitig durch Unterricht Informationen über Krankheits­ursachen, aber auch ihr Land, Viehhaltung und Ernährung zu geben. Ziel war auch, ihnen eine weiterführende Ausbildung, zum Beispiel im Gesundheits­bereich, zu eröffnen. So gibt es inzwischen viele Siedlungen in denen Lehrer/-innen mit den Nomaden wandern und ihnen damit erstmals den Zugang zu Bildung ermöglichen.

Das Forum Kinder in Not e.V. unterstützt 13 Schulen, um in der vernachlässigten Grenzregion zu Eritrea Kindern und jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen. Nach 7 Jahren zeigt das Projekt deutliche Wirkungen: durch Aufklärung über Krankheitsursachen, Verbesserung der hygienischen Bedingungen, verbesserte Vorsorge und Gesundheits­versorgung ist die Zahl der Kinder, die an behandelbaren Infektionskrankheiten sterben, deutlich zurückgegangen. Ein Besuch 2006 zeigte, dass das Projekt unbedingt weitergehen muss, um die Zukunft und das Überleben der Menschen zu sichern, denn die Lebensumstände werden durch Eingriffe in die Natur und Klimawandel deutlich härter.

Die Kosten pro Jahr belaufen sich auf rund € 9.000,- für Lehrergehälter, Schulbücher, Hefte und Stifte. 2007 betrug die Zahl der Schüler/-innen 444. Aufgrund der Dürre konnten mehr als 80 Schüler nicht am Unterricht teilnehmen, weil die Familien gezwungen waren, an andere Orte abzuwandern oder die Kinder weitere Wege zum Wasserholen und Viehhüten zurücklegen mussten. In den vergangenen Jahren stellte das Forum Kinder in Not e.V. auch Geld für die Versorgung von Kindern mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser zur Verfügung.

Weitere Aktivitäten des Forum Kinder in Not e.V.

• In den Schulen wird inzwischen auch das Bewusstsein der Jugendlichen für HIV/Aids geschärft.
• Familienhelferinnen wurden ausgebildet. Sie betreuen besonders die von Armut betroffenen Familien, um insbesondere Schwangere und Kleinkinder durch zusätzliche Nahrungsmittel zu unterstützen. Sie klären über Hygiene und Ernährung, aber auch über die schlimmen Auswirkungen von Beschneidung auf.
• Eine Impfkampagne zum Schutz vor acht Kinderkrankheiten im Distrikt Eli Daar wurde von der Regierung finanziert und von den Afar-Gesundheits­arbeitern durchgeführt.

Das Projekt wird regelmäßig von Dr. Ramona Gresch besucht. Dies erfolgt auf eigene Kosten, so dass die Spenden ohne Abzug der Unterstützung der Nomadenkinder zugute kommen.

Wo liegt die Danakil-Wüste?

Die Danakil-Wüste liegt in der Afar-Region im Norden Äthiopiens (Afrika). Sie ist eine der heißesten bewohnten Gebiete der Erde. Um Ihnen eine grobe Orientierung zu erlauben, haben wir hier einen Kartenausschnitt eingeblendet. Das Siedlungsgebiet der Afar ist rot schraffiert.

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